Arzt-Patienten-Beziehung
Lupus ist eine seltene Krankheit mit diversen, oft unspezifischen Symptomen. Bis zur richtigen Diagnose können Jahre vergehen.
Gelenkschmerzen oder Gelenksentzündungen sind bei 60% der Betroffenen das Erstsymptom und veranlassen zum Arztbesuch.
Es kann schwierig sein, die Diagnose des Systemischen Lupus erythematosus (SLE) zu stellen, da zu Beginn nicht immer alle Klassifikationskriterien erfüllt sind.
Hautveränderungen sind etwa bei 20% der Betroffenen das erste Symptom.
Unterschiedliche Symptome erschweren die Diagnose
Allgemeinsymptome wie starke Müdigkeit (Fatigue) und Fieber sind oft begleitend vorhanden und stehen bei 5–10% der Betroffenen als Erstsymptom im Vordergrund.
Bei 10–15% der Betroffenen beginnt der SLE mit dem Befall innerer Organe wie den Nieren oder des Nervensystems.
Es ist wichtig, dass die Diagnose Systemischer Lupus erythematodes so rasch wie möglich gestellt wird, um die Betroffenen möglichst schnell und optimal zu behandeln.
Beschwerden und Laborwerte
Bei einer Arztkonsultation ist es wichtig, dass die Betroffenen genaue Angaben über alle ihre Beschwerden machen.
Zur SLE Diagnose führt in der Regel: Die klinische Untersuchung durch die Ärztin oder den Arzt, die sich nach den SLE Diagnosekriterien richtet. Laboruntersuchungen, die u.a. gezielt Autoantikörper bestimmen.
Die Suche nach bestimmten Antikörpern im Blut – antinukleären Antikörper (ANA), Antikörper gegen dsDNS, Antikörper gegen das Smith-Antigen und gegen Cardiolipin – können bei der Diagnosestellung helfen.
Andere Laborwerte tragen ebenfalls bei zur Diagnose von SLE: Entzündungsparameter, erniedrigte Komplementfaktoren (C3, C4), Abnahme der Leukozyten, der Lymphozyten oder der Thrombozyten usw.
Auch die Untersuchung der Nierenfunktionsparameter, inklusive Urin-Status, kann Hinweise auf eine SLE-Erkrankung geben.
SLE Diagnosekriterien
Die Diagnose des SLE basiert auf den ACR/EULAR-Klassifikationskriterien.
Die neuen ACR- und EULAR-Klassifikationskriterien aus dem Jahr 2019 für Lupus beinhalten positive ANA-Antikörper als Eintrittskriterium für die Lupus-Diagnose.
Klinische Kriterien
Konstitutionelle Symptome | Punkte |
|---|---|
Fieber | 2 |
Haut | Punkte |
|---|---|
Nicht vernarbende Alopezie | 2 |
Orale Ulzera | 2 |
Subakut-kutaner oder diskoider LE | 4 |
Akuter kutaner LE | 6 |
Arthritis | Punkte |
|---|---|
Synovitis in ≥ 2 Gelenken oder Druckschmerz in ≥ Gelenken mit Morgensteifigkeit ≥ 30 Min | 6 |
Neurologie | Punkte |
|---|---|
Delirium | 2 |
Psychose | 3 |
Anfälle | 5 |
Serositis | Punkte |
|---|---|
Pleura- oder Perikarderguss | 5 |
Akute Perkarditis | 6 |
Hämatologie | Punkte |
|---|---|
Leukopenie | 3 |
Thrombopenie | 4 |
Autoimmunhämokyse | 4 |
Nieren | Punkte |
|---|---|
Proteinurie ≥ 054g/24h | 4 |
Lupusnephritis (histol.) Typ II, V | 8 |
Lupusnephritis (histol.) Typ III, IV | 10 |
Immunologische Kriterien
Antiphospholipid-AK | Punkte |
|---|---|
Anticardiolipin-IgG ≥ 40 GPL | 2 |
Anti-β2GP1-lgG ≥ 40 GPL | 2 |
Lupus-Antikoagulans | 2 |
Komplement | Punkte |
|---|---|
C3 oder C4 vermindert | 3 |
C3 und C4 vermindert | 4 |
Auto-AK | Punkte |
|---|---|
Anti-dsDNA-AK | 6 |
Anti-Smith-AK | 6 |
Klassifikation als SLE ANA ≥ 1:80 und ≥ 10 Punkte
ACR/EULAR-Kriterien 2019 für die Klassifikation von systemischem Lupus erythematodes von: Aringer M.: EULAR/ACR classification criteria for SLE. Semin Arthritis Rheum 2019; 49, S14-S17
Therapie und Therapieziele
In der Therapie haben Ärztin oder Arzt sowie die Lupus-Betroffenen je eigene Aufgaben.
Es gibt Bereiche, für die ist der Arzt, die Ärztin zuständig: Labor, medizinische Aussagen, neuste Forschung im Auge behalten. Dann gibt es Bereiche, für die Lupus-Betroffene selber zuständig sind: Lebensweise, Therapieeinhaltung (Compliance), Einnehmen von Medikamenten. Es gibt aber auch Bereiche, die Arzt/Ärztin und Lupus-Betroffene nur gemeinsam angehen können.
Betroffene sollten in Absprache mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem Arzt herausfinden, welche Therapie mit der grösstmöglichen Wirkung für sie am geeignetsten ist. Es spielen dabei viele Faktoren eine Rolle, auch persönliche (familiäre Situation, Autonomie, Mobilität, Motivation, Wertvorstellungen usw.).
Wir empfehlen eine umfassende Abklärung durch eine Fachärztin, einen Facharzt für Lupus.
Lupus-Betroffene und Ärztin oder Arzt sollten ein Therapieziel festlegen. Das Therapieziel wird bei jeder Konsultation neu analysiert; wenn notwendig, werden die Therapie und das Therapieziel dem Lupus-Verlauf angepasst. Es ist wichtig, dass die Lupuspatientinnen und ‑patienten in die Überlegungen und Entscheidungen mit einbezogen werden.
Grundsätzlich ist das Ziel einer Therapie, einen stabilen Zustand des Lupus sicherzustellen.
