Behandlung und Prävention
Was brauchen Sie als Betroffene*?
Ihre allfällige medikamentöse Behandlung muss dem individuellen Verlauf der Krankheit angepasst werden.
Betroffene brauchen Ärzt*innen, die sich mit Lupus auskennen. Betroffene brauchen Ärzt*innen, von denen sie ernst genommen werden. Eine Beziehung auf Augenhöhe zwischen Fachperson und Patient*in ist von grosser Bedeutung.
Was brauchen Betroffene?
Inputs von Fachleuten und Betroffenen
- Regelmässige ärztliche Kontrolluntersuchungen durch Lupus-Spezialist*innen inklusive Blut- und Urinkontrollen.
- Je nach Symptomen müssen verschiedene Medikamente eingenommen werden. Bei Gelenk- und Hautbeschwerden sowie Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, sind dies Antimalariamittel (meist Plaquenil), bei Organbefall zusätzlich Immunsuppressiva, manchmal in Kombination mit Kortikosteroiden (Cortison).
- Unterstützung durch Familie und Freund*innen sowie am Arbeitsplatz. Austausch mit anderen Betroffenen.
- Regelmässige, angepasste (selbst nur leichte) körperliche Aktivität.
- Ausgewogene Ernährung (reichlich Omega 3, Kalzium und Vitamin D3).
- Minimierung von Herzkreislauf-Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, erhöhter Blutdruck, erhöhtes Cholesterin. Behandlung von Diabetes mellitus.
- Auf psychologischer Ebene: In einen «freundschaftlichen Kontakt» mit der Krankheit treten.
Therapie und Therapieziele
In der Therapie haben Ärzt*in und Lupus-Betroffene je eigene Aufgaben.
Betroffene sollten in Absprache mit behandelnden Ärzt*innen herausfinden, welche Therapie mit der grösstmöglichen Wirkung am besten geeignet ist. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Dazu gehören auch persönliche Faktoren wie familiäre Situation, Autonomie, Mobilität, Motivation und Wertvorstellungen.
Wir empfehlen eine umfassende Abklärung durch Lupus-Fachärzt*innen.
Lupus-Betroffene und Ärzt*innen sollten ein Therapieziel festlegen. Das Therapieziel wird bei jeder Konsultation neu analysiert. Wenn nötig, werden Therapie und Therapieziel dem Lupus-Verlauf angepasst. Es ist wichtig, dass Lupus-Betroffene in Überlegungen und Entscheidungen einbezogen werden.
Grundsätzlich ist das Ziel einer Therapie, einen stabilen Zustand des Lupus sicherzustellen.
Effektive Therapie verhindert Schübe und Langzeitschäden
Optimizing outcome in SLE: treating-to-target and definition of treatment goals.
A. Doria et al; Autoimmunity Reviews 2014 (Bild Klick hier)
Bei Lupus handelt es sich um eine chronische Krankheit, die in der Regel in Schüben verläuft. Länger dauernde ruhige Phasen (Remissionen) sind möglich, können jedoch abrupt in aktive Schübe übergehen.
Therapieziel 2:
Dauerhafte Beruhigung des SLE. Einsparen von Steroiden.
Quelle: Iking-Konert, Stadtspital Zürich: (Bild Klick hier)
Offen darüber reden
Nur Sie wissen und spüren genau, wie es Ihnen geht!
Zu den häufigen Symptomen gehören Schmerzen und starke Fatigue. Lupus kann auch psychisch belasten. Gründe dafür sind sichtbare Symptome (Schmetterlingserythem), unsichtbare Symptome, Unverständnis im Umfeld und Belastungen am Arbeitsplatz.
Je genauer Sie behandelnden Ärzt*innen diese Probleme schildern, desto besser können sie darauf eingehen und gemeinsam mit Ihnen Lösungen suchen.
Bereiten Sie sich gut auf den Arzttermin vor. Schreiben Sie neben allen Fragen auch auf, was Ihnen wichtig ist und was Sie brauchen oder wünschen.
Achten Sie darauf, dass Ihre Fragen beantwortet werden. Falls behandelnde Ärzt*innen nicht sofort eine Antwort geben können, vereinbaren Sie einen Termin in der Praxis oder telefonisch für eine spätere Rückmeldung.
Medikamente
Es gibt nicht EIN Lupus-Medikament.
Je nach Art und Schwere des SLE und abhängig davon, ob Organe betroffen sind oder nicht, kommen verschiedene Medikamente für die Behandlung zum Einsatz.
Basismedikamente sind Antimalariamittel, Immunsuppressiva und eventuell Kortison, insbesondere bei akuten Schüben, oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Immer häufiger werden auch biologische Therapien eingesetzt.
Die medikamentöse Behandlung muss entsprechend den individuellen Symptomen, Befunden und dem jeweiligen Verlauf regelmässig neu geprüft werden. Regelmässige Arztbesuche sind unerlässlich, um die Therapie anzupassen.
Eine vertrauensvolle Beziehung zu behandelnden Ärzt*innen ist dabei sehr wichtig. Sie fördert die Compliance (aktive Mitwirkung an der Therapie).
Ausführliche Informationen zu den aufgelisteten Arzneimitteln (Steroidale Antirheumatika und Basismedikamente) sowie zu weiteren Medikamenten (Nichtsteroidale Antirheumatika, Schmerzmittel, Osteoporose-Medikamente) finden Sie hier:
Liegt zusätzlich zum Lupus ein Antiphospholipid-Syndrom (APS) vor, müssen blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.
Medikament | Handelsname | Organbeteiligung | Zugelassen für |
|---|---|---|---|
Kortikosteroide | Spiricort | bei akuten Entzündungen | . |
Hydroxychloroquin | Plaquenil | alle | SLE |
Methotrexat | Methrexx | inflammatorische | off Label |
Azathioprin | Imurek | Alle | SLE |
Mycophenolsäure | CellCept | alle | Lupusnephritis II, III, IV |
Belumimab | Benlysta | Alle, bis auf Hämatologie | Lupusnephritis II, III, IV |
Anifrolumab | Saphnelo | Nicht-renale | Nichtrenaler SLE |
Cyclophosphamid | Endoxan | Organ bedrohende | Lupusnephritis II, III, IV |
Voclosporin | Lupkynis | Lupusnephritis | Add-on Lupusnephritis |
Im Folgenden ein Überblick über die am meisten verbreiteten Medikamente bei der Behandlung von Lupus.
Quelle: Ärzteblatt.de – DOI: 10.3238/PersImmun.2023.02.10.01
Medikamente gegen Rheuma-Schmerzen
Hier ein interessantes Video der Rheumaliga Schweiz über die Behandlung von Rheuma-Schmerzen:
Im Video (Dauer 3 1⁄2 Min.) werden medikamentöse Therapien vorgestellt: Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Immunsuppressiva, Biologika, Psychopharmaka. Deren Wirkungen, Nebenwirkungen und Risiken werden kurz und verständlich erklärt.
Alternativtherapien
Ergänzende Vielfalt
Vielfach ist es wirkungsvoll, wenn die ärztliche Behandlung durch weitere Therapien begleitet wird, beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie, Wassergymnastik, Massage, Tai Chi, Qi-Gong…
Alternativtherapien wie die traditionelle chinesische Medizin (TCM), können manchmal Linderung verschaffen und die psychologische Bewältigung des Lupus verbessern. Sie haben aber keine nachgewiesene Wirksamkeit; Alternativtherapien sind eine gute Ergänzung zur Schulmedizin.
Psychologische Beratung
Die Beeinträchtigungen im Alltag durch Schmerzen und Fatigue sowie die Tatsache, dass der Krankheitsverlauf nicht vorhergesagt werden kann, belasten viele Betroffene psychisch.
Lupus ist eine seltene Krankheit und deshalb wenig bekannt. Da die Krankheit meist unsichtbar ist, werden Beschwerden im Umfeld oft nicht wahrgenommen. Das Krankheitsbild ist zudem komplex. Deshalb fällt es vielen Betroffenen schwer, über ihre Lupus-Erkrankung zu sprechen.
Eine Psychotherapie kann Betroffene im Umgang mit belastenden Aspekten der Krankheit unterstützen. Sie kann das psychische Wohlbefinden verbessern. Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss die Psychotherapie von behandelnden Ärzt*innen verschrieben werden. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über die genauen Bedingungen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite «Psychische Gesundheit».
SAV3E – DIE BASISMASSNAHMEN BEI SLE
- S – Sonnenschutz: LSF 50, lichtundurchlässige Kleidung, Hut
- A – Antimalariamittel: Hydroxychloroquin 200 mg/d (≤ 5 mg/kg) oder gemäss Verschreibung durch Arzt/Ärztin
- V1 – Vitamin D: 20 000 IU Vit. D/w oder 1 000 IU/d (mit Arzt/Ärztin besprechen)
- V2 – Vakzinierung: Standardimpfungen + Impfungen gegen: Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose (mit Arzt/Ärztin besprechen)
- V3 – Vaskuläre Risikofaktoren reduzieren: Rauchen, Bluthochdruck, hoher Cholesterinwert, Bewegungsmangel, Übergewicht
- E – Evaluation der Organbeteiligung: Proteinurie (Harnstreifen), Differenzialblutbild (Leukozyten) usw.
Wichtiger Sonnenschutz
Sonnenstrahlen (insbesondere UVA-Strahlen) können Schübe auslösen oder die Symptome verschlimmern.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, die Sonne zwischen 11 Uhr und 15 Uhr zu meiden, da die UV-Strahlung zu dieser Zeit am intensivsten ist.
Eine andere, einfache Richtregel: Wenn der eigene Schatten kürzer ist als die eigene Körpergrösse, sollte man die Sonne meiden.
- In Räumen oder im Schatten bleiben und die direkte Sonne meiden! Wolken lassen einen Teil der schädlichen UVA-Strahlung durch.
- Vor Sonnenlicht schützende Kleidung tragen. Es gibt spezielle UVA-schützende Funktionskleidung. Baumwolle lässt ca. 40% der UVA-Strahlen durch. Je dunkler die Kleidung, um so mehr absorbiert sie die UVA-Strahlen und desto besser schützt sie. Kopfbedeckung tragen. Sonnenbrille tragen (die Augen vieler Lupus-Betroffener sind lichtempfindlich).
- Sonnenschutzcreme auftragen 1. Genügend (3−4 EL für den ganzen Körper) 2. Mit hohem Schutzfaktor 3. Ungefähr 30 Minuten vor der Sonnenexposition 4. Häufig (mind. alle zwei Stunden, häufiger bei baden, schwitzen).
Die Sonneneinstrahlung verstärkt nicht nur die Hautprobleme, sondern kann zudem den Zustand innerer Organe verschlechtern, indem Sonnenlicht lupusspezifische Antikörper (Typ Ro/SSA oder SSA[RO]-Antikörper) vermehren kann, was zu einem Lupus-Schub führen kann.
Sonnenschutz ist daher wichtig! Siehe die folgenden wirksamen Massnahmen.
Sonne und UV-Strahlen
Wasser, Sand und Schnee reflektieren die Sonne, wodurch wir der UV-Strahlung noch stärker ausgesetzt sind.
Wasser, Sand und Schnee können die UV-Strahlung verstärken, da sie diese reflektieren.
Schnee erhöht den UV-Index erheblich und Wasser reflektiert die UV-Strahlung. Auch im Schatten ist man nicht vollständig vor UV-Strahlung geschützt. Ausserdem nimmt die UV-Strahlung mit der Höhe zu. Sonnenschutz ist in den Bergen also besonders wichtig, insbesondere im Winter.
Vitamin-D-Prophylaxe
Vitamin D als Tabletten oder Tropfen und Vitamin D reiche Lebensmittel
Vitamin D wird durch Sonnenbestrahlung der Haut gebildet. Da Lupus-Betroffene die Sonne meiden müssen, kann der Vitamin-D-Spiegel schnell zu tief sein.
Ein Mangel an Vitamin D führt bei Erwachsenen zu Osteopenie und Osteoporose. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist zudem ein Risikofaktor für Autoimmunkrankheiten. Je niedriger der Vitamin-D-Spiegel ist, desto höher ist die Krankheitsaktivität. Dies kann für Lupus-Betroffene einen Teufelskreis darstellen. Zudem ist der Vitamin-D-Bedarf bei der Einnahme von Glukokortikoiden (Cortison) erhöht.
Vitamin-D-reiche Lebensmittel sind zum Beispiel fettreiche Fische (kleine Fische bevorzugen), Eier, Champignons, Avocado und mit Vitamin D angereicherte Margarine.
Pacing als Strategie
Fatigue und Energiemanagement
Ein grosses Problem für Lupus-Betroffene ist Fatigue, also chronische Müdigkeit und schnelle Erschöpfung.
Starke Erschöpfungszustände, sogenannte Crashs, sollten vermieden werden. Eine hilfreiche Strategie ist Pacing.
Planen Sie Ihren Alltag sorgfältig. Füllen Sie ihn nicht mit zu vielen Aktivitäten. Pausen gehören zu dieser Planung. Pausen sind wichtig, damit sich die Fatigue im Verlauf des Tages nicht verstärkt.
Unabhängig davon, mit welchen Strategien Sie Ihr Energiemanagement gestalten, zum Beispiel mit einem Energietagebuch oder einem Alarm für Ruhepausen, ist es wichtig, Pacing zu lernen. Überschreiten Sie Ihre individuelle Belastungsgrenze nicht.
Sie werden feststellen, dass Sie trotzdem vieles unternehmen und ausprobieren können. Sie wissen, dass nach einer Anstrengung eine Ruhepause eingeplant ist.
Es braucht Zeit, sich an Pacing zu gewöhnen. Es geht nicht nur darum, geeignete Strategien zu entwickeln. Es braucht auch ein Umdenken. Sich regelmässige Ruhepausen zu gönnen, ist nicht falsch. Es ist wichtig für Ihren Körper.
Unsere Gesellschaft ist stark auf Leistung ausgerichtet. Zuerst braucht es einen verständnisvollen und respektvollen Blick auf Pacing und auf die eigene Belastungsgrenze. Danach braucht es auch Verständnis im nahen Umfeld.
Am Ende profitieren Sie und Ihre Nächsten davon, wenn Sie lernen, mit Ihrer Energie nachhaltiger umzugehen. Die Energie soll für den ganzen Tag reichen, für den nächsten Tag und für alle weiteren Tage.